Auf den Spuren der Armut

Mittellos in Melsungen – Ein sozial-diakonischer Stadtrundgang

Das Thema:
6200 bis 7200 Menschen im Altkreis Melsungen leben in Armut. Für die Diakonie und den Kirchenkreis war dies Anlass zu einem sozial-diakonischen Stadtrundgang unter den Motto „Mittellos in Melsungen”.
Von Manfred Schaake - Melsungen.
Wohin, wenn ein Mensch kein Geld, keine Arbeit, keine Wohnung mehr hat? Für das Diakonische Werk im Schwalm-Eder-Kreis und den Evangelischen Kirchenkreis Melsungen war dies Anlass zu einem sozial-diakonischen Stadtrundgang „Mittellos in Melsungen”. 17 Synodale, Kirchenvorsteher und ehrenamtliche Kirchen-Mitarbeiter besuchten die Tafel, das Jobcenter, das städtische Bürgerbüro und den Second-Hand-Kleiderladen Kleidsam.

Der Hintergrund: Auf der jüngsten Kreissynode hatte Diakoniepfarrerin Margret Artzt erschreckende Zahlen genannt: Von den 45 850 Einwohnern im Altkreis Melsungen leben zwischen 6200 und 7200 Menschen in Armut. „Das ist erschütternd, und es macht mich manchmal richtig wütend”, kommentiert sie die Zahlen. Grund genug, mit hauptamtlich Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen. Themen waren die Sozialleistungen, auf die ein Rechtsanspruch besteht, sowie die kirchlich-diakonischen Angebote von engagierten Mitmenschen. Die Stationen:

DIE TAFEL
628 Menschen – davon 237 Kinder – nehmen derzeit das Angebot der seit 2005 bestehenden Melsunger Tafel wahr. Alleinerziehende werden weniger, die Zahl der Asylsuchenden habe deutlich zugenommen, berichteten Gerhard Peter und Barbara Schäfer. 43 Märkte und Bäckereien sowie zwei Eier-Produzenten stellen die Lebensmittel zur Verfügung. Gemüse ist sehr begehrt. 70 Ehrenamtliche engagieren sich für die Tafel. Zurzeit gibt es keine Warteliste.

DAS JOBCENTER
„Eine ganz große Vielfalt von Menschen” betreut nach den Worten von Teamleiterin Manuela Reiser das Jobcenter Melsungen. Vier gibt es im Kreis. „Nicht jeden können wir retten”, sagt Reiser, „aber wir arbeiten an vielen Baustellen”. Was tut man für Langzeitarbeitslose? Reiser spricht von einem Super-Instrument: „Individuelle Berater schaffen es, die Menschen zu öffnen für Veränderungen, Verantwortung für sich zu übernehmen, Brücken zu bauen zur Außenwelt.” Ein Ein-Euro-Job sei das letzte Instrument. Ein neues Ein-Euro-Job-Projekt solle bald mit dem Verein Spangensteine und der Stiftung Himmelsfeld in Spangenberg starten.

BÜRGERBÜRO
Ansprechpartner für alle Notleidenden ist das Bürgerbüro im städtischen Dienstleistungszentrum am Sand, erläuterte Ordnungsamtsleiter Roland Schmidt. Für Obdachlose stehe in einem renovierten Gebäude eine Wohnung für bis zu sechs Menschen zur Verfügung. Bisher lebten dort maximal drei Obdachlose, derzeit sind es zwei. Einem Obdachlosen, der im Winter monatelang unter einer Fuldabrücke gelebt habe, habe die Stadt die Wohnung angeboten. Das aber habe er abgelehnt. Es gebe relativ wenig durchreisende Obdachlose.

KLEIDERLADEN KLEIDSAM
Kleider passend für jeden Geldbeutel – das bietet der 2013 eröffnete Second-Hand-Kleiderladen Kleidsam des Kirchenkreises an der Brückenstraße. 23 Ehrenamtliche engagieren sich. Angelika Mecke vom Leitungsteam betont: „Wir machen das nicht nur für Bedürftige – es ist ein Laden für alle. Unser Angebot wird sehr gut angenommen, es geht quer Beet und durch die Gesellschaft.” 23 Ehrenamtliche engagieren sich für den Laden mit einem großen Angebot an Kleidung für Damen, Herren und Kinder. Nichts ist nach den Worten Meckes teurer als zehn Euro. Gut erhaltene Kleidung kann im Laden abgegeben werden. Kontakt: 05661/9088118.

Unterartikel

Pfarrerin Artzt: Melsungen lohnt sich
„Melsungen lohnt sich auch für Menschen, die soziale Unterstützung brauchen.” Diese Bilanz zog Diakoniepfarrerin Margret Artzt am Ende des sozial-diakonischen Rundgangs. Man könne nun besser verstehen, was es bedeute, nicht selbst für den Lebensunterhalt sorgen zu können und es schärfe den Blick darauf, welche Angebote rechtlich verpflichtend oder freiwillig seien. Sie regte diesen Rundgang auch für weitere Städte an.

Es sei vorbildlich, wie Melsungen mit Obdachlosen umgehe, betonte Jürgen Kurz vom Diakonischen Werk mit Blick auf die sechs Plätze in einer renovierten Wohnung. Anderswo werde „rumgeeiert” und Obdachlose würden eher abgewiesen.  (m.s.)

Wie das Jobcenter Arbeitslosen hilft: Das  erfuhren die Teilnehmer des sozial-diakonischen Stadtrundganges „Mittellos in Melsungen” im Jobcenter von Teamleiterin Manuela Reiser, im Bild oben links. Foto: Schaake

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Bilder und Artikel entnommen bei HNA/Schaake März 2017

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